
Design Thinking Methode: Ablauf, Definition & Best Practices
Für komplexe Probleme sollen Menschen kreative und innovative Lösungen finden - das ist der Grundgedanke hinter dem Konzept des Design Thinking. Doch was zeichnet diesen Ansatz aus, welche Phasen werden durchlaufen und wie kann man Design Thinking wirklich sinnvoll in der Praxis einsetzen? Diese Fragen klären wir in dem folgenden Blogbeitrag.
Was ist Design Thinking?
Der Begriff “Design Thinking” beschreibt ein Konzept zur Bearbeitung von komplexen Problemen. Hierbei werden in mehreren Schleifen innovative Ideen gesammelt, welche genutzt werden, um die jeweilgen Herausforderungen zu meistern und Lösungen zu finden.
Der Design Thinking Ansatz hat seinen Ursprung in der Welt der Architekten und Desinger, wurde jedoch von vielen Branchen, Teams und Unternehmen jeder Größe übernommen.
Design Thinking Methode: Die 3 Hauptmerkmale im Überblick
Der Design Thinking Prozess setzt sich aus drei Merkmalen zusammen, welche unterschiedliche Eigenschaften besitzen:
Das Team
Interdisziplinäre Teams bilden die Grundlage für eine erfolgreiche Umsetzung des Design Thinking Ansatzes. Teil dieses Teams sind im Kern Menschen aus unterschiedlichen Bereichen mit hochwertigen Qualifikationen in ihrem Einsatz- oder Forschungsgebiet. Sie sorgen dafür, dass Design Thinking wertvolle Lösungen und Ideen hervorbringt.
Der Raum
Die Umgebung in der sich die Gruppe befindet spielt bei Design Thinking eine große Rolle. Die Methode sieht es vor kreativ zu sein und spontane Ideen zu teilen, weshalb sich große Räume mit Tafeln, Whiteboards oder Postern anbieten. Eine beliebte Art Ideen zu sammeln oder Kreativitätstechniken umzusetzen ist die Nutzung von Post-Its. Auch ist es wichtig, dass der Raum über einen Teilbereich verfügt, an dem die Prototypen schnell erstellt werden können.
Der Prozess
Der eigentliche Prozess setzt sich aus sechs Schritten zusammen, welche vorerst in einer Reihenfolge abgearbeitet werden sollten und sich dann iterativ entwickeln können.

Dazu gehören:
Verstehen: Kern dieses Schrittes ist es, das Problem und die Rahmenbedingungen genaustens zu definieren. So kann abgesichert werden, dass alle Teammitglieder ein gemeinsames Problemverständnis aufweisen und ihre Ideen zielgerichtet ausarbeiten können. Ebenfalls sorgt eine klare Definition für die Minimierung von Missverständnissen und steigert somit die Effizienz des Vorhabens.
Beobachten: Das Ziel der zweiten Phase ist es, Empathie für den Kunden aufzubauen. Als Methode wird hierbei häufig die des Tiefeninterviews genutzt. Dort werden eigene Ansätze der Kunden für die Lösungen eines Problems geteilt. Meistens handelt es sich um komplizierte Zwischen- oder Teil-Lösungen, welche mit einer besseren Idee des Design Thinking Teams gelöst werden sollen. Eine weitere Methode ist die der Selbsterfahrung. Die Experten des interdisziplinären Teams nehmen die Rolle des Kunden ein und versuchen damit den Problemablauf noch genauer zu verstehen.
Standpunkt definieren: Welche Erkenntnisse konnten aus der zweiten Phase konkret gewonnen werden? Darum geht es in diesem Schritt. Die gesammelten Informationen und Erfahrungen müssen zu einem Gesamtbild zusammengeführt werden. Hier hilft häufig der Aufbau von Personas - also fiktiven Menschen-Profilen, die bestimmte Kundensegmente repräsentieren. Diese dienen als Grundlage für die Konkretisierung einer Ausgangsfragen und der Entwicklung von Lösungsansätzen im nächsten Schritt.
Ideen finden: Das interdisziplinäre Team beginnt eine Vielzahl an kreativen Ideen zusammenzutragen, diese zu diskutieren und anschließend zu priorisieren. In dieser Phase ist es wichtig die eigenen Ideen und Lösungsansätze der Teamkollegen nicht in Konkurrenz zu betrachten, sondern als Chance für weitere Ausführungen. Design Thinking lebt von einem regen Austausch, diversen Impulsen und dem Aufbau neuer Ideen aus den Ansätzen der geteilen Gedanken eines jeden in der Gruppe.
Prototyping: In dieser Phase werden erste Prototypen für die Lösung des Problems erstellt. Dabei handelt es sich in der Regel um physische Prototypen, welche für das erste Testen konzipiert sind. Der Anspruch ist in keinem Fall Perfektion oder eine marktreife, fertige Lösung. Die Prototypen sollen vielmehr als schnelle Möglichkeit für Tests genutzt werden können, um den Prozess weiter voranzutreiben.
Testen: Im Rahmen von Tests werden die Prototypen mit den Nutzern bzw. Kunden geteilt. Ziel ist es, den Umgang mit der Lösung zu beobachten und Feedback zu sammeln. Bevor der Test gestartet wird, sollten Hypothesen aufgestellt werden, die im Nachgang mit Hilfe des echten Feedbacks interpretiert werden können. Nur so lässt sich verlässlich einschätzen, ob der Prototyp Potenzial birgt oder welche weiteren Anhaltspunkte sich für Optimierungen ableiten lassen.
Wichtig: Design Thinking ist iterativ
Das Erreichen des letzten Schrittes markiert nicht zwangsläufig das Ende des Prozesses. Auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse kann der Prozess erneut von vorne durchlaufen werden. Ebenso besteht die Möglichkeit, zu einem vorherigen Schritt zurückzukehren und weitere Prototypen zu entwickeln.
Design Thinking: Kreativitätstechniken für bessere Ideenfindung
Die dritte Phase des Design Thinking Prozesses ist die der Ideenfindung. Da es manchmal schwer sein kann, erste Ideen zu entwickeln und auszuarbeiten, werden in der Praxis häufig einige sogenannte Kreativitätstechniken genutzt, um den Prozess des Ideenfindung positiv zu fördern. Bekannte Kreativitätstechniken, die auch Abseits von Design Thinking regelmäßig angewendet werden sind beispielsweise Brainstorming oder Mind-Maps.
Tiefergehende Techniken für Design Thinking Prozesse sind unteranderem:
Methode 635: Als bewährte Brainwriting-Methode setzt sich die Methode 635 aus folgenden Teilen zusammen: Sechs Personen bilden eine Gruppe, welche abwechselnd je drei Ideen auf Papier notieren und das Blatt in einem fünf Minuten-Takt weitergeben.
Der morphologische Kasten: Eine Tabelle bzw. Matrix, welche das Grundproblem in einzelne Bausteine zerlegt. Hierbei werden für jeden Baustein verschiedene Lösungsideen und -ansätze innerhalb der Felder der Matrix notiert. Aus den Einzellösungen können dann in der Regel zusammenhängende Lösungsideen für das eigentliche große Ganze abgeleitet werden.
Die Delphi-Technik: Diese Kreativtechnik zeichnet sich durch ihre Mehrstufigkeit und Anonymität aus. Den Start macht dabei häufig eine schriftliche Befragung der Experten im interdisziplinären Team (auch: Delphi-Panel). Die Skalen und Antworten werden danach ausgewertet und aggregiert, beispielsweise anhand von Mittelwerten, Medianen oder Antwortverteilungen. In einer weiteren Befragungsrunde erhalten die Teilnehmer eine Zusammenfassung der Gruppenergebnisse und können ihre eigenen Einschätzungen vor diesem Hintergrund überprüfen und gegebenenfalls anpassen. Dieser Prozess kann über mehrere Runden fortgeführt werden. Ziel ist es, eine zunehmende Annäherung der Einschätzungen und – sofern möglich – einen stabilen Konsens innerhalb des Expertenpanels zu erreichen.
Semantische Intuition: Es werden vorab einzelne Wörter gesammelt, welche in Zusammenhang mit dem jeweiligen Problem stehen. In einigen Fällen werden auch Begriffe miteinbezogen, die nichts mit dem Problem zutun haben. In einem zweiten Schritt sollen Wortpaare gebildet werden, welche einen neuen gemeinsamen Begriff ergeben. Diese neu gebildeten Wortpaare müssen dann spontan interpretiert werden - z. B. Welche Funktion ein Produkt haben könnte, wenn es das Wortpaar als Produktnamen hätte.
Design Thinking: 3 Best Practices für die erfolgreiche Umsetzung in der Praxis
Den Nutzer in den Fokus stellen: Um mit der Design Thinking Methode wertvolle Ergebnisse zu erzielen, müssen die Nutzer bzw. Kunden und die Probleme klar definiert und untersucht werden. Empathie, Mustererkennung und das kritische Auseinandersetzen mit den geteilten Ideen zeichnen den Prozess in der Praxis aus.
Teams wirklich interdiziplinär aufstellen: Häufig wird der Versuch nach echten interdisziplinären Teams auch nur als ein Versuch behandelt. Für die korrekte Umsetzung von Design Thinking sind die verschiedenen Experten und deren unterschiedlichen Meinungen, Erfahrungen und Gedankengänge essenziell. Die Kombination der Fachleute sorgt erst dafür, dass die Design Thinking Methode zu Erfolg in ihren einzelnen Phasen führt.
Fehler sind Teil des Prozesses: Im Design Thinking Prozess ist das Ziel nicht sofort eine perfekte Lösung zu finden, sondern viel mehr Austausch zu fördern, neue Iterationen in der Ideenfindung zu starten und die gewonnenen Erkenntnisse und Ideen immer weiter an diversen Prototypen früh auszuprobieren. Wer hier auf starre Konzepte setzt oder Räume nicht offen und flexibel gestaltet, hemmt die Produktivität von Design Thinking enorm.
Fazit
Der Design Thinking Ansatz ist mit der richtigen Umsetzung eine hervorragende Möglichkeit, neue Ideen zu finden und diese zu vertesten und so eine innovative Lösung für ein verbreitetes Problem zu finden. Der flexible Charakter der Prozesse sorgt für eine Atmosphäre, in der Austausch, Fehler und Wiederholungen ausdrücklich gefördert werden. Wer hier den Fokus auf die Nutzer legt und sich aktiv in die Diskussionen einbringt unterstützt Design Thinking und trägt dazu bei, dass die Methode zu vielversprechenden Ergebnissen führt.
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